24 Stunden für den guten Zweck
Ihr werdet Euch sicher fragen, was es mit dem Titel auf sich hat.
Seit 9 Jahren gibt es in Wilgersdorf eine Benefizveranstaltung unter dem Motto „ Wilgersdorfer helfen Wilgersdorfern“. Diese Veranstaltung verfolgt ein Ziel: behinderten Kindern und deren Familien finanziell zu unterstützen, damit Sie Anschaffungen tätigen können, die die Krankenkasse nicht ohne weiteres bezahlt und die nicht mal eben aus der „Portokasse“ bezahlt werden können ( wie z. B. eine Handbike für Rollstuhlfahrer oder ein Therapierad, ein Fahrrad für Behinderte, ein spezieller Computer, usw.).Hier hat uns besonders das Schicksal von Fabian bewegt. Fabian, 10 Jahre, erlitt in diesem Januar vor der elterlichen Haustür einen Herzstillstand, hervorgerufen durch eine zu dicke Herzscheidewand, die nie entdeckt wurde. Er wurde 2 mal wieder belebt und erlitt 2 Tage später auch noch einen Herzinfarkt. Dadurch ist Fabian nun schwerstbehindert und an den Rollstuhl gefesselt. Vor einem Jahr wuchs die Idee mit dem, für mich besten Extrembergsteiger Hans Kammerlander aus Südtirol, eine 24 Stunden Nonstop Wander- und Klettertour in Angriff zu nehmen. Hans bietet diese Tour in einem der schönsten Gebiete Südtirols, dem Ahrntal, an. Hierfür gewann ich Thomas Bach als Mitstreiter. Von Januar bis August trainierten wir längere Wandertouren. Auch das Fahrradfahren und Klettern gehörten mit zum Programm, sowie sich mental auf das anstehende Ereignis vorzubereiten. Außer dem zeitaufwendigen Trainingsprogramm, musste auch das Feld des Sponsorings abgedeckt werden.
So machte ich mich auf die Suche nach Sponsoren, um einen finanziellen Rahmen für die Benefizveranstaltung zu schaffen. Firmen wie Gontermann und Peipers, Siegenia, Syro, Conway, der Jockel – Club und ml-radsport konnten für die Entlohnung der sportlichen Leistung gewonnen werden. Zur Aklimatisierung fuhren wir schon am 30. August los. Endlich war es soweit. Monatelanges Training waren vorbei. So fuhren wir zwei Wanderburschen los ins Ahrntal nach Südtirol. Der 01. September sollte der Tag der Entscheidung werden. An diesem Tag trafen wir uns um 16.00 Uhr mit allen Teilnehmern, Hans Kammerlander und sein Team zur Lagebesprechung. Wir fuhren mit dem Bus nach Rosen im Antholztal, das auch gleich der Startpunkt war. Um 18.00 Uhr ging es dann los, die Gedanken, hast du alles, Stirnlampe geht, usw. Also doch nervös! Die ersten 5 Stunden zur Rieserfernerhütte, hatten dann auch 1.500 HM zu bieten. Im Aufstieg wurden die ersten Ausfälle gezählt. Brutale Ansiege und die Dunkelheit taten ihr übriges. Mit Stirnlampe auf dem Kopf, ging es dann in den ersten Klettersteig, der durch einige Seilaussetzungen, hohe Tritte und Restschnee das Vorhaben immer besser machte. Doch Hans und seine Truppe standen zu jeder Zeit mit Rat und Tat zur Seite. Auf 2.400 Meter wurden die letzten Meter zur Rieserfernerhütte etwas flacher. Wir erreichten die Hütte gegen 23.00 Uhr. Hier erwartete uns ein reichhaltiges Essen, viel Tee, Obst, Salat und Spaghetti wurden „eingefahren“. Was dann folgte hätte sich wohl niemand träumen lassen. Bei sternenklarem Himmel ging es dann auf Ahrntalseite 11 km bergab in Richtung Rein in Taufers. Gewaltige Felsbrocken mit bis zu 1,20 m hohen Tritten mussten überklettert werden. Der Abstieg war knochenhart. Nicht nur die Brocken, auch Geröll und Altschnee machten die Sache richtig spannend. Mit Stirnlampe zu wandern, geschweige denn zu klettern, hatten Thomas und ich noch nie gemacht. So war es eigentlich klar, dass die Müdigkeit uns gegen 5.00 Uhr morgens beim Aufstieg zur Kassler Hütte erfasste. Genau an diesem Punkt entschied sich für jeden einzelnen Ausstieg oder Weitergang. Den Vordermann immer auf die Hacken blickend ging es 800 HM hinauf. Mit jedem Schritt wurde es langsam heller und unsere Augen wurden immer schwerer. Kämpfen hieß die Devise.
Denn als wir gegen 6.30 Uhr die Hütte erreichten, war für mich klar, dass wir es schaffen werden. Das mühselige Gehen mit der Stirnlampe, wo man sich nur auf einen Punkt, nicht auf die Landschaft, konzentrieren konnte, war doch sehr anstrengend und nun vorbei. Der Hüttenwirt reicht uns erstmal starken Kaffee, Obst und ein gutes Frühstück. Der wunderschöne Sonnenaufgang leitete nun die 2. Hälfte der Tour ein. Über den Arthur Herdecken Weg ging es dann 25 km durch die Rieserferner Gebirgsgruppe (mit dem Hochgall und dem Schneebiger Nock). Der Arthur Herdecken Weg ist wohl einer der schönsten Höhenwege Südtirols, wenn nicht sogar der Alpen. Es verging Stunde um Stunde, bis wir uns zur letzten Rast oberhalb von Ahornach, dem Geburtsort von Hans Kammerlander, niederließen.
Mit einem herrlichen Rundblick konnte sich jeder Teilnehmer Gedanken über die schon erbrachte Leistung machen. In den Gesprächen mit den anderen Teilnehmern ergab sich, dass jeder andere Beweggründe für diese Tour hatte. Unser Grund war klar. Nach nun 22 Stunden gingen wir nun den letzten Abstieg nach Sand in Taufers, wo wir um 18.00 Uhr kaputt und glücklich ankamen.
Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass wir in den 24 Stunden 60 km und 5.500 HM bewältigt haben. Es gibt Dinge im Leben, die musst Du einfach versuchen, sonst weißt Du nicht wozu Du im Stande bist. Ich möchte mich auch gleichzeitig bei Herrn Spannagel für die Unterstützung dieses sportlichen Ereignisse bedanken. Zu diesem Anlass hat Hans Kammerlander einige T-Shirts signiert. Vielleicht möchte ja noch einer von Euch dieses für einen guten Zweck erwerben. Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Vielen Dank und Glück Auf.
Markus Leyener










